Medien im Gallus + über den Stadtteil
Das Gallus ist - zufällig oder nicht - der Medienstandort in Frankfurt. Nicht nur die FAZ und die Frankfurter Neue Presse haben hier Ihren Sitz. Mit dem Deutschen Fachverlag ist auch einer der führenden Herausgeber von Fachzeitschriften, Fachbüchern, Fachportalen und Veranstalter von Fachkongressen hier ansässig. Und dies europaweit führend.
Auch die breite Palette von Lifestyle Medien die das Journal Frankfurt mit seinen Schwestern- und Töchter-Publikationen printed und digitalisiert, ist im Gallus stationiert. Selbstverständlich gibt es hier auch einen guten Radiosender: MainFM.
Aus diesem Grunde schauen wir so ein bißchen was die Kollegen über das Gallus schreiben oder sagen und platzieren es hier. Es werden aber nur aussagekräftige Publikationen präsentiert, die auch im Zeitverlauf noch Ihren Informationswert haben. Und wir wollen uns revanchieren, indem wir einige Links der großen Kollegen hier anbieten.
Verlinkungen aus und zum Gallus:
Die Welt des Frankfurt Journals finden Sie hier
Noch mehr stylish gibt es da.
Zu den digitalen Ausgaben von FAZ + FNP.
Die bunte Welt des Deutschen Fachverlages.
Radio MainFM können Sie hier hören und lesen.
Nützliche soziale und andere Informationen, Pressedienst West bietet MainGallus.de
Hier die bisher ausgewählten Artikel:
Kamerun - wie kommt denn das?
Als "eines der letzten ungeklärten Rätsel" der Frankfurter Stadtgeschichte gilt die Frage, warum das Gallusviertel seit rund 100 Jahren auch "das Kamerun" heißt. Mit diesen Worten jedenfalls bekommt man im Stadtarchiv die Mappe über das Quartier zwischen Hauptbahnhof und Autobahn ausgehändigt.
Mit dem an der Wende vom 19. ins 20. Jahrhundert bebauten Industriegebiet rund um die Galluswarte "wuchs der Name aus dem Ackerboden", behauptet eine Stadtteil-Chronik von 1991. Vielleicht, weil diese Besiedlung damals von Frankfurt aus so abseits lag wie die damalige deutsche Kolonie Kamerun in Afrika.
Der Stadthistoriker Hans-Otto Schembs findet Anhaltspunkte für eine andere Theorie: Das Gallus sei wegen des Rußes, der aus den Fabrikschloten nieder ging und sich überall absetzte, tatsächlich ein "schwarzer" Stadtteil gewesen. Der Karnevalsverein "Die Kameruner", gegründet 1922, macht bis heute einen Witz aus der Geschichte.
1918, nach dem Ersten Weltkrieg, gab es das deutsche "Schutzgebiet" Kamerun in Afrika nicht mehr. Da setzten die dunkelhäutigen marokkanischen Söldner, die in den Reihen französischer Besatzungssoldaten im Gallus standen, einen weiteren Anhaltspunkt für den Quartiersnamen.
Seit das Gallus von Menschen aus rund 30 Nationen bewohnt wird, sieht mancher im Kamerun eine Kolonie der Gegenwart. Die Kameruner stehen dazu. Schon 1990 hat ein Zeitgenosse bei der Übertragung eines Fußballspiels Kamerun-Argentinien in einer Gallus-Kneipe, erlebt. Als die Mannschaft von Kamerun den Sieg errungen hatte, "drang der Ruf auf die Straße: ,Mer hawwe gewonne!'"
Noch aktueller wird die Abstammungserklärung, wenn man am Nachmittags und Abend durch den Bereich des Bahnhofs Nord, zwischen Düsseldorfer und Hafenstraße geht. Da ist inzwischen die Mehrheit der Straßenpassanten, Terrassensitzer, Kneipen, Clubs (im Ex-PP) und vielleicht sogar der Bewohner dunkler bis schwarzer Hautfarbe. Für Einwanderer aus Schwarzafrika bedeutet er ein Gefühl von Heimat. "Wir sind doch hier im Kamerun!" - das Argument fällt im Afrika-Kulturzentrum "WimBum" und soll ein Recht auf Zukunft des Vereins im Seitentrakt des früheren Polizeipräsidiums begründen.
Im Bahnhofsviertel sitzen zahlreiche Kulturvereine von Bürgern aus Senegal, Kongo, Ghana, Kenia, Kamerun, Eritrea, Äthiopien und Sudan - viele davon im alten Polizeipräsidium. Zusammen haben sie etwa 1000 Mitglieder.
Also hätte eigentlich dieser Bereich den Namen „Kamerun“ verdient. Ein bunter Farbtupfer der Metropole.
Quelle: Frankfurter Rundschau
Auf dem Parkplatz des verlassenen Polizeipräsidiums ist die Zeit vor Jahren stehen geblieben. Zwei Minuten vor halb elf zeigt die große Uhr am Mast zwischen den verrottenden Beamtenfassaden. Das tut sie Tag und Nacht, als wäre der Zeitenwechsel draußen an der Mainzer Landstraße nur Illusion. Nur wenige Schritte sind es vom verwaisten Hinterhof, vorbei am leeren Pförtnerhäuschen, hinaus auf die Ludwigstraße, nach rechts in Richtung Güterplatz und Messe, nach links auf die Mainzer und zum Hauptbahnhof. Mittags stehen Bänker vor "Caffeppuccino" und trinken stehend Latte für eine Stunde Dolce Vita. Abends wird das Viertel afrikanisch.
Es ist wie Ebbe und Flut. Ein Straßengeviert im Schatten der Bankentürme, voller Abbruchhäuser und Schutthaufen, voller Raum für die Subkultur, für Ateliers und Experimente. Ein Viertel, dass einmal täglich das Gesicht wechselt. Dass die meisten Cafés und Läden hier "Messob" heißen oder "Awasa", fällt erst auf, wenn die Bänker wieder weg sind und die Sonne sich dem Horizont nähert.
Je weiter der Tag voranschreitet, desto mehr Afrikaner füllen die Straßen zwischen Platz der Republik, Bahnhof und Messe, wo das Bankenviertel noch nicht nicht richtig aufgehört und das Gallus noch nicht richtig begonnen hat. Viele sitzen vor den Cafés zwischen Mainzer und Niddastraße, kleine Männergesellschaften um runde Café-Tischchen.
Kulturverein im Präsidium
Auf dem Bürgersteig vor dem "Mibrak Beauty Salon" kommt es zu einer Rangelei - "blöde Kameruner", raunt Kossi Nibombe. Hier im Quartier sei es besser, unter seinen Leuten zu bleiben, das habe er schnell gelernt. "Aber lange geht das sowieso nicht mehr gut, die Bänker werden immer mehr. Irgendwann müssen wir hier weg." Um wirklich zu verstehen, wie die Dinge laufen im afrikanischen Viertel am Bahnhof, müsse man aber zu Doktor Kimbi gehen.
Doktor Kimbi sitzt in einem Büro im ehemaligen Polizeipräsidium und zählt die Tage. Der rundliche Kameruner mit dem rosafarbenen Rollkragenpullover ist der Vorsitzende des afrikanischen Kulturvereins "Wimbum" und als Berater, Wirt, Reiseveranstalter und gelegentlich auch Autohändler so etwas wie der erste Mann im Viertel. "Kimbis Kontaktbüro" steht draußen auf dem Schild an der Hauswand. Im langen Gang vor seinem Büro ist es finster und stinkt nach Klo. Eine Amtsstubenuhr an der Wand ist stehengeblieben, auch sie zeigt kurz vor halb elf.
Seit Monaten kämpft Doktor Kimbi einen einsamen Kampf gegen die Stadt und eine Immobilienfirma, die seinem Verein das Wasser und den Strom abgestellt hat. Kimbi ringt um Worte: "Wir sind total bescheuert, wir sind total im Stress, wir haben Riesenärger mit der Regierung", platzt es aus ihm heraus. Nach der Vereinsgründung 2001 habe "Wimbum" im alten Polizeipräsidium einen geeigneten Platz für ein Kulturhaus der Afrikaner im Viertel gefunden, aber die verwaltende Immobilienfirma wolle sie nun plötzlich nicht mehr im Haus haben.
"Wir sitzen hier im Hinterhof und alle Türen sind zu. Wir können nicht weg, nicht rein, nicht raus", sagt Kimbi pathetisch. Er deutet auf ein Bild an der Wand über dem Schreibtisch - es zeigt ihn mit Ministerpräsident Roland Koch - und kramt einen Flyer hervor mit einem Grußwort von Petra Roth. "Machen alle die Ohren zu, auch die Oberbürgermeisterin." Nicht einmal der einzige Stadtrat afrikanischer Herkunft, Integrationsdezernent Jean-Claude Diallo von den Grünen, höre ihnen zu. "Jetzt sammeln wir Unterschriften gegen ihn, gegen unseren eigenen Mann. Er ist schlecht."
Von seinem Büro führt Kimbi den langen Gang entlang tiefer hinein ins Polizeipräsidium. Er erzählt von der Integrationsleistung des Vereins, der Sozialarbeit, den vielen Afrikanern im Viertel, "die Probleme mit Alkohol und Drogen haben und die bei uns eine Aufgabe bekommen, damit sie nicht kaputt gehen". Für sie sei der Clubraum im Keller des Hauses ein wichtiger Treffpunkt gewesen. Doch über dem Schloss der einfachen Holztür am Ende des Ganges klebt nun ein fettes Polizeisiegel. "Einfach dicht gemacht, weil die Bauaufsicht auf einmal keine Genehmigung erteilen will."
Neben dem versiegelten Zugang zum Kellerraum führt eine Tür ins Freie, in den Hinterhof des alten Präsidiums. Auf der Treppe sitzt Mohamud Ahmed Noor und wartet auf Kimbi. Auch Noor fürchtet um das Viertel, in dem Somalier wie er, Eriträer, Senegalesen und Kameruner bestens zusammen lebten. "Für uns Afrikaner ist so ein Treffpunkt wichtig, viele kommen allein nach Frankfurt und kennen niemand. Da braucht man so eine Anlaufstelle", sagt der 52-Jährige. "Dass die Stadt uns nicht hilft, ist schlimm. Wir werden ja von der Polizei schon genug genervt", sagt er.
Kimbi hat dafür schon keine Ohren mehr. Er steht im Hinterhof und reibt den Schlüssel in den Händen, schaut auf die Uhr. Für ihn ist es viel später als kurz vor halb elf. "Ich hab Angst", sagt Kimbi. "Angst, dass es bald vorbei ist." Dass die Zeit abläuft für den Verein und die Afrikaner im Viertel.
Quelle: Frankfurter Rundschau 1.7.07